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Mittwoch, 10.09.2014

Tag 19 - Von Morgens bis Abends

Cabanne d'Eliet → Port de la Core → Esbints → Aunac → Cabanna Aula → Ateang d'Areau → Col de Pause → Couflens → Gite d'etape Rouze

Der heutige Hatsch gehoert mal wieder zur Sorte "Hammeretappe". Schon alleine die zweite Etappe war im Fuehrer mit 9 Stunden und 35 Minuten angegeben. Dafuer bin ich jetzt aber in der Gite d'etape Rouze, bei der es super Essen geben soll.
Sonnenaufgang

Die Nacht war sehr schoen. Ich konnte den Vollmond betrachten und in der Huette war es wohlig warm. Das Feuer ging ein paar mal aus, da ich mit dem Holz sparen wollte, aber nach ein paar Atemzuegen war dann wieder alles am Brennen und die Huette erstrahlte wieder in ihrem Licht, sodass ich auch keine Stirnlampe brauchte. Aber irgendwie stinkt es mir immer noch, dass ich weniger Holz gemacht habe, als ich verbraucht habe... Aber vllt. kann ich spaeter ja den Huettenwart kontaktieren. Mich wundert es auch, warum hier kein Uebernachtungsgeld verlangt wird. In den deutschen Alpenvereins-selbstversorger-huetten ist es ganz normal, dass eine kleine Uebernachtungsgebuehr von vllt. 5 EUR verlangt wird. Nicht so aber hier. Da ist alles kostenlos was ich ehrlich gesagt nicht verstehe. Wenn z. B. 20 Leute in der Huette uebernachten, dann waeren das 100 EUR und man koennte fuer 50 EUR eine neue Matratze kaufen und dem Kerl, der die Matratze hochschleppen muss dafuer 50 EUR geben. Wie auch immer war ich heil froh, dass ich so ein verdammtes Glueck mit dieser Cabane hatte.
Die Huette bei Sonnenaufgang

Als ich dann zum Schlafen ging, schaute ich mich in der Huette erst mal detailliert um. Auf einem Bereich bei dem ein paar Sachen von Vorbesuchern deponiert wurden, krabbelten Silberfische herum. An so ein Ungeziefer hatte ich ja wirklich nicht gedacht. Neben den Silberfischen waren dann Kotspuren von einer kleinen Maus zu sehen. Na prima. Genau das, was ich befuerchtet hatte, ist nun eingetreten: Eine Maus in der Huette. Aber ich wusste ja, wie man mit dem Getier umgeht. Vorsichtshalber legte ich schon vor dem Feststellen der Kotspuren alles auf den Essenstisch. Darauf muesste die Maus schon springen, um sich an meinen Sachen vergreifen zu koennen. Die Fresstuete bzw. das, was darin noch uebrig war, haengte ich an einen Nagel an der Decke. Dafuer muesste die Maus schon fliegen koennen... So begab ich mich, nachdem der letzte Hauch an Feuer ausgegangen war und nur noch eine Glut den Raum erwaermte, in das Stockwerk hoeher mit meiner Thermorestmatte sowie meinem Schlafsack und legte mich zu "Bett". Irgendwann hoerte ich dann auch schon ein paar Tippelgeraeusche welche aber nur einmalig waren. Einschlafen konnte ich auch nicht so gut. Vllt. machte ich mir doch zuviele Gedanken ueber die Maus oder es lag an dem harten Holzboden. Aber irgendwann nickte ich dann doch ein und erwachte immer mal wieder um dann gleich einzuschlafen.
Laufen in Richtung der aufgehenden Sonne

Einmal schaltete ich meinen Wecker um 5 Minuten weiter und stand dann um 6:50 auf. Hier oben in den Bergen war es bereits relativ hell, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen war. Und ich trinke hier beim Schreiben uebrigens ganz fleissig um in der Nacht nicht von schmerzenden Fuessen aufgeweckt zu werden. So schoen der Morgen war, so heftig war auch der heutige Tag und ich bin einfach nur froh, dass es am Ziel auch die Unterkunft gab, die in meinem Fuehrer angegeben war. Zum Fruehstueck setzte ich mich vor die Huette und betrachtete das Morgenrot vom Sonnenaufgang, waehrend ich das letzte frischere Baguette (ein Aelteres war noch in der Fresstuete, aber beide waren relativ alt) mit der Dose Wurst verputzte die ich auch schon seit Tagen oder einer Woche mit mir herumschleppe. Dazu trank ich den Zitronentee, welchen ich mir zum Fruehstueck bereitet hatte. Das war dann eigentlich auch schon das ganze Fruehstueck und ich packelte den Rest zusammen und verabschiedete mich von dieser wirklich schoenen Huette. Diese kann zwar nicht ganz mit der Ahrnspitzhuette mithalten, von den Schlafgelegenheiten vllt. schon aber nicht vom Ambiente, aber es war wohl die schoenste Selbstversorgerhuette, welche ich bisher in den Pyrenaeen gesehen hatte. So, nun sind erst mal wieder meine Fuesse dran... Und fertig.
Ausblick zum Uebergang ueber den ich gehen werde

Dann startete ich auch schon in den heutigen Tag. Von der Huette verabschiedete ich mich noch sehr Dankbar im Geiste und lief den GR10 weiter, also nicht die Variante des GR10, welche in meinem Fuehrer als tatsaechlicher GR10 angegeben war. Das sparte mir wohl eine halbe bis eine Stunde, was mir eigentlich ganz recht war. Viel zu sehen gab es dort unten auch nicht, wo die heutige Variante hinfuehren wuerde. Die Sonne kam mittlerweile auch schon vor dem entfernten Berg rueber. Ich war gerade sehr nahe am Flachland, sodass mir kein Berg mehr einen Schutz vor der Sonne geben konnte. Erst mal stieg der Weg ganz leicht nach oben ueber ein weiteres Feld umgegrabener Grashaenge. Ich stellte mir mittlerweile auch die Frage, woher dieses Umgraben kommen wuerde und kam zu dem Entschluss, dass das eigentlich nur von Wildschweinen sein koennte. Mein Pfefferspray zum Schutz vor diesen Wildschweinen oder sogar vor den Baeren wurde mir aber aus dem Gepaeck entfernt. Na prima... Der Weg fuehrte nun erst mal ueber ein paar steinige Grasbuckel weiter in Richtung Port de la Core, wohl einem vor langer Zeit wichtigem Punkt. Dieser lag ein paar hundert HM unter dem momentanen Punkt und ueber den Hang hinwegwandernd gelangte ich so weiter in dessen Naehe. Nach einer Wiesenstrecke folgte ein waldigerer Bereich in dem ich etwas Grosses sich bewegen hoerte. Das koennte genau auf so ein bloedes Wildschwein passen, aber gesehen habe ich nicht viel davon. Leicht auf und absteigend gelangte ich dann zum Port de la Core und nun nach dem bisherigen Abstieg von ca. 400 HM standen mir bis zum Ende von dieser Etappe erst mal 700 bis 800 Meter Abstieg bevor.
Der zugewucherte Wanderweg, der nicht der GR10 war

Die Wegweiser an dem Uebergang waren erst mal sehr verfuehrerisch detailliert angelegt, sodass ich gleich losstuermte. Soweit hat auch alles lt. meiner Karte gepasst. Ueber Wiesen und kleine Wege durch den Farn hindruch. Im Uebrigen moechte ich hier anmerken, dass ich diese scheiss Farnwiesen nicht mehr sehen kann. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, dass ich nicht durch irgendwelche Farnwiesen auf franzoesischer Seite gelaufen bin! Naja, wie auch immer lief ich eben den Markierungen weiter nach und nach, suchte hier und dort mal, aber war soweit eigentlich aus meiner Sicht auf der richtigen Spur. Dann allerdings hingen Baeume ueber den Wanderweg und ich musste mich regelrecht durchkaempfen um den Wanderweg gehen zu koennen. Ich kannte bisher ja zugewucherte Wege des GR10, aber keiner hatte bisher dieses Ausmass. Auch gelangte ich nicht weiter bergab wie es in der Karte verzeichnet war, sondern lief sogar ganz leicht aufsteigend. War das richtig? Nach 5 Minuten kehrte ich dann um und lief auf dem direktesten Weg runter zur Strasse, so wie es in der Karte war und da fand ich dann auch weitere Wegmarkierungen. Auf dem Rueckweg schaute ich extra noch, ob ich vllt. eine Markierung uebersehen hatte, aber da war einfach nichts. So gelangte ich ueber einen Elektrozaun, ueber den ich druebersteigen musste, da dessen Wandereroeffnung so sehr gespannt war, dass ich diese nicht entfernen konnte, auf die Strasse. Diese weiter folgend stiess ich dann auf einen Wegweiser, der mir anzeigte, dass ich eigentlich hier haette herunter kommen sollen. Wie das haette sein koennen, ist mir bisher schleierhaft...
Der schoene Wanderweg nach Aunac

Nach diesem Ausflug in's Ungewisse verlief der Weg dann weiter relativ gut markiert ueber weitere Farnwiesen (ja! Farnwiesen!!!), Waelder und anderes Gestruepp weiter runter. Immer wieder mal musste ich ein bisschen nach Markierungen suchen aber letztendlich waren genug vorhanden, um mich dann den Fluss entlang weiter herunterzufuehren ohne erneut den Weg zu verlieren. Mal verlief der Weg sehr nahe am Fluss, danach dann weiter entfernt, wobei er sich um den Berg schlaengelte. So gelangte ich erst mal nach Esbints zur ersten Gite d'Etape in meiner Karte. Da ich heute wirklich die 9-Komma-irgendwas Etappe noch drauflegen wollte, war es eigentlich wichtig, dass ich noch etwas zu Essen fuer unterwegs bekommen wuerde. Ich hatte naemlich nur noch ein Snickers, ein altes Stueck Baguette und trockene Nudeln. Das ist doch etwas mager fuer eine weitere ueber 9 Stunden lange Etappe. Allerdings war bei der Gite und auch nebenan niemand anzufinden. OK, es gibt ja noch eine andere Gite am Ziel von dieser Etappe.
Zu diesem Uebergang musste ich noch hoch

So lief ich weiter und war alsbald auch auf der Strasse, bei der ich aber auch meine Wanderschuhe anliess. Es waren "nur" etwas ueber 2 km auf dieser Autobahn zu laufen und da es noch Morgen ist, fuehlten sich meine Fuesse auch noch prima an. Beim Abstieg wischte ich mir hier und da wieder mal mit meinem Wanderhut den Schweiss aus dem Gesicht und musste feststellen, dass dieser doch sehr stark den Geruch von dem Kamin angenommen hat. Dieser "wohlige" Geruch begleitete mich nun fuer den Rest des Tages... Von der Fahrstrasse bog dann auch eine Schotterstrasse ab, die mich an einem provisorisch angelegten Bauernhof vorbeifuehrte um dann unten ueber den Fluss zu fuehren. Danach wurde der Wanderweg sehr, sehr spartanisch. Lehm war wohl der Hauptbestandteil von diesem Wanderweg und ich war insbesondere wg. dem schlechten Profil meiner Wanderschuhe doch etwas am Kaempfen um diesen paar HM lehmigen Aufstiegs etwas entgegenzusetzen. Dann verlief der Weg weiter oben aber wieder deutlich angenehmer und zog sich dann in ein paar Kehren bis nach Aunac hoch, bzw. bis kurz davor. Ein Wegweiser verwies links auf die Gite d'Etape, wobei rechts der G10 weiterverlief. Hm... was nun? Vermutlich ist die Gite d'Etape auch nicht belegt und ich laufe umsonst die paar hundert Meter dorthin. So beschloss ich einfach dem GR10 weiterzulaufen der aber auch anders als in der Karte verzeichnet an Anuac vorbeifuehrte. Wieder mal waren die Wegmarkierungen nicht klar. Einmal bog dann nach links ein gelber Wanderpfad ab, wobei aber weit und breit keine rot-weisse Markierung zu sehen war. Die Markierungen hier sind sowieso seltsam. Diese bestehen aus Plastik und sehen aus wie in den Felsen genietet. Das Plastik wird mit der Zeit natuerlich sehr sproede und broeselt dann auch ab, womit keine Markierung mehr zu sehen ist. Wie auch immer lief ich nicht den gelb markierten Weg herunter sondern folgte dem groesseren Weg weiter. Beide Wege haetten mich weiter herunter gefuehrt, nur waere der gelbe schneller gewesen... Mittlerweile brauchte ich auch Trinkwasser. Meine letzte Flasche war fast leer und ich hoffte in einem der Doerfer Trinkwasser zu finden. Dort gibt es normalerweise immer Trinkwasser an irgendwelchen Becken oder Springbrunnen.
Die Nothuette bei der ich pausierte

Ueber die Strasse gelangte ich dann weiter runter bis ganz in's Tal, ueberquerte eine Bruecke und lief nun der "Autobahn" entlang weiter in irgendein Dorf. Von hier aus haette ich die Hauptstrasse auch weiterlaufen koennen und waere in wohl 2 Stunden bereits am Ziel gewesen. So aber zog sich das noch mehr als 6 Stunden hin. Aber ich will ja auch auf dem GR10 Wandern und keine Autobahn entlang laufen. In dem Dorf angekommen, suchte ich dann nach einer Einkehrmoeglichkeit und auch nach einer Trinkwasserversorgung. Nichts davon war aber hier zu finden. So fragte ich einen Bewohner nach Trinkwasser. Nur verstand dieser auch kein Englisch. Als ich ihm dann meine leere Wasserflasche zeigte, war fuer ihn alles klar und er zeigte mir seinen kleinen Brunnen. Dort holte ich mir 2 Liter frisches Trinkwasser und war nun jedenfalls wassertechnisch gut fuer die zweite Etappe ausgeruestet. Bei dem Franzosen bedanke ich mich dann gut gelaunt noch sehr und begann damit den Aufstieg von ca. 1550 HM. In meinen Gedanken splittete ich das Ganze in 3 mal 500 HM auf, da 500 HM ja viel weniger sind und diese kleinen Haeppchen leichter zu verdauen waren. Insbesondere, da ich weder gestern Abend, noch heute frueh wirklich viel zu Essen hatte. Ich stieg schon bald auf meine Sandalen um, da es nun fuer ein paar km der Strasse entlang gehen sollte. Dem Flusslauf entlang fuehrte dann die Strasse auch weiter in das Tal hinein. Viele Hoehenmeter machte ich hier noch nicht, dafuer aber viele Kilometer. Tja, viel gibt's hier eben auch nicht zu schreiben. Es ging das Tal weiter entlang und die Teerstrasse wurde irgendwann zu einer Schotterstrasse und dann zu einem Wanderweg, wobei ich diesem noch fuer ein paar Schritte mit meinen Sandalen folgte und dann doch wieder auf meine abgehatschten Wanderschuhe umstieg.
Der See beim Abstieg

So ging der GR10 auf einem Wanderweg weiter und stieg nun etwas staerker an. Allerdings waren auch viel Auf und Ab zu bewaeltigen, eben immer dem Fluss entlang. Der Fluss selbst fuehrte auch wieder zu einer schoenen Gruenfaerbung der umgebenden Steine und dieses mal auch der Baeume. Ja sogar die Baeume waren mit Moos bewachsen und zwar ausnahmslos jeder. Durch dieses gruene Idyll stieg ich so weiter hoch und bald war der gruene Moosbewuchs auch weg. Vllt. ist das auch ein bestimmtes Phaenomen auf einer gewissen Hoehe. Gestern war es ab ungefaehr 1100 HM und heute bei ungefaehr 900 HM. Das kann gut passen. Der Weg selbst wollte aber nicht so wirklich enden. Immer wieder stellte ich mir die Frage, wann ich denn endlich an dem naechsten, mir von der Karte bekannt vorkommenden, Punkt ankommen werde. Als sich die steil aufragenden Waende zur Rechten und Linken dann verbreiterten war ich endlich an den Punkt angekommen, wo es "nur" noch 500 HM Aufstieg zur einen Nothuette waren, wo ich auch etwas pausieren wollte. Hier tat sich ein breites Tal auf mit Gruenflaechen auf denen auch Pferde weideten. Der GR10 selbst zog sich selbst aber sehr seltsam durch das Tal. Vermutlich wg. dem Schnee im Fruehjahr zog er sich auf der linken Bergseite dem Tal verlaufend hoeher und hoeher und verlief dann auch an ein paar umgefallenen Baeumen vorbei, die komplett entwurzelt wurden. Da hat wohl die Natur etwas heftig gewuetet...
Von hier waere die Abkuerzung hochgekommen

Etwas spaeter wurde der Aufstieg dann knackiger und es liefen mir auch ein paar Grattler entgegen, wobei ich wirklich zuerst keine Ahnung hatte, wie die dort oben hingelangt sind. Spaeter wurde es mir dann klarer, dass diese vermutlich auf der anderen Bergseite die Strasse hochkutschiert wurden und dann fast nur noch den Abstieg machen muessen. Vor mir standen nun sehr viele Serpentinen welche sich durch ein Waldgebiet zogen. Der Weg selbst war aber sehr, sehr schoen zu laufen, so wie ich mir viele Wanderwege erhoffe und es erinnerte mich auch irgendwie an die Wanderwege zuhause, mit laubbedeckten Boeden und einer nicht zu uebertriebenen Steilheit. Leider wurde dieser Wanderweg dann bald zu einem weiteren Farnwanderweg (JA!!!! FARNWIESEN!!!) und so gelangte ich weiter bergauf zu dem zweiten Plateau fuer heute. Ueber ein paar Buckel hinwegsteigend gelangte ich so zur Cabanne Aula, bei der ich erst mal Pause machte. Jetzt standen nur noch 450 HM vor mir, es war etwas vor 14:30 und es standen nur noch 450 HM Aufstieg vor mir sowie 1300 HM Abstieg. Nur noch... Mein Magen knurrte schon seit Stunden und nun war es an der Zeit ihn mit den Ueberbleibseln zu stopfen. Zuerst nahm ich ein paar Bissen von dem alten Baguette. So ganz das wahre war es nicht, aber besser als nichts. Dann packelte ich auch das Snickers aus, welches meine Notreserve als Energiespender war.Mehr hatte ich eigentlich nicht mehr dabei. Das war's. Fini. Mehr wuerde es nicht mehr geben. Das alte Baguette verputzte ich aber nicht mehr ganz, da es einfach furz trocken war. An Wasser hatte ich auch nicht mehr gerade viel. Nur noch etwas weniger als einen halben Liter. Das wird ganz sicher nicht bis zum naechsten Dorf reichen. In der Ferne beim Aufstieg konnte ich aber schon einen Fluss sehen, bei dem ich vllt. etwas Wasser zapfen koennte.
Der LKW, der den Weg versperrte

Urspruenglich hatte ich vor, bis 15 Uhr Pause zu machen, aber eine viertel Stunde davor entschloss ich mich dann kurzum, doch gleich weiterzulaufen da ich so frueh wie moeglich bei der Unterkunft ankommen muss um sicherzustellen, dass ich etwas zu Essen bekomme. Damit war das wohl die einzige Pause fuer heute und ich startete zum letzten Anstieg den ich schon mit seinen vielen Zick-Zack Kehren von der Ferne ueber den Hang sehen konnte. Nach einem kurzen Hatsch ueber weitere Wiesen ging nun der Anstieg los und ich schaltete wieder auf meinen monotonen, einstudierten Gang um. Es gibt fuer mich nicht mehr viel mehr zu tun, als einen Schalter umzulegen und schon laufe ich los, egal wie der Weg aussieht. Viel denken muss ich nicht mehr. Nach der zweiten Kehre zum steil abfliessenden Wasser hin zapfte ich dann auch eine Flasche von diesem frischen kuehlem Nass. Vorsichtshalber schmiss ich auch eine Micropur Tablette rein, falls es doch nicht sauber sein sollte. Allerdings floss das hier irgendwie direkt aus dem Boden. Aber sicher ist sicher... Den Aufstieg schaffte ich dann doch relativ muehelos, allerdings war hinter dem Zielhuegel noch ein weiterer kleinerer Aufstieg versteckt. Diese letzten 50 HM schaffte ich dann aber auch noch und war damit am hoechsten Punkt fuer heute, knapp unter 2000 HM angekommen.
Der blumenreiche Teil des GR10

Vom hoechsten Punkt aus war der Verlauf nicht immer klar. Blindlinks mit ein bisschen Spicken in der Karte vertraute ich auf eine Mischung von "die letzte gesichtete Wegmarkierung und GR10 in der Wanderkarte". Der GR10 verlief so erst mal steil abstiegend links neben einer Schotterstrasse die in unglaublich vielen Serpentinen bergab steigt. So bot der relativ unmarkierte GR10 eine gute Alternative an. Weiter unten verlief dieser dann noch weiter ueber eine Schotterstrasse zum Col de Pause. Von hier aus konnte ich auch erkennen, wo denn eine Abkuerzung direkt hier hoch gefuehrt haette. Das waere der alte GR10 gewesen und ich hoffte sehr stark, dass eine Wegmarkierung fuer diesen noch existiert haette um dementsprechend abzukuerzen, aber leider war dem nicht so. Der nun folgende Wanderweg beruehrte immer ganz kurz die Serpentinenspitzen der Fahrstrasse und so gelangte ich auch weiter bergab. Als der Strassenhatsch dazwischen mal wieder etwas laenger wurde, stieg ich auch auf meine Sandalen um, lief so weiter erst mal ueber die Teerstrasse und dann ueber irgendeinen abzweigenden Wanderweg, bei dem ich einfach nicht mehr die Sandalen ausziehen wollte. Das hatte nur einen Haken, naja, auch mit Bergschuhen. In dem Wanderweg stand ein riesiger LKW, bei dem ich mit Rucksack nicht dazwischen durchpasste. So lief ich auf der Mauer die aus Steinen gebaut wurde mit meinen Sandalen an dem LKW vorbei um danach von der Mauer zu springen. Also bei allem was ich bisher miterlebt habe, gab's bisher nichts vergleichbares. Ein paar Kehren des Wanderweges spaeter fuehrten mich dann wieder zur Strasse und dann spaeter zur Abzweigung auf einen steiler verlaufenden Wanderweg kurz vor "Raufaste". Dort zog ich dann auch wieder meine Wanderschuhe an die sich nach dem Sandalenhatsch wieder relativ gut anfuehlten.
Der Weg hoch zum Gite Rouze

Nun bog der Wanderweg nach links durch einen wunderhuebschen Blumengarten ab und verlief dann in Serpentinen steil bergab. Unten angekommen passierte ich den Campingplatz, der relativ geschlossen aussah - jedenfalls hatte die Bar zu - und ueber die Strasse weiter gelangte ich nach Couflens, einem alten Dorf in dem es wohl nichts anderes als eine Kirche, alte Leute und alte Haeuser gibt. Dort erkundigte ich mich auch bei einer Gruppe von Frauen, ob denn die Gite d'etape Rouze geoeffnet ist. Was sie genau gesagt haben, verstand ich nicht, allerdings zeigten sie mir den Weg dorthin mit ihren Gesten. OK, prima. Dann wird das Teil wohl auch offen haben. So lief ich weiter durch das kleine Dorf, vorbei an der Kirche die ich dieses mal aus Zeitgruenden nicht betreten habe, weiter den Fluss entlang und dann rechts abbiegend den GR10 weiter verfolgend. Aber der GR10 verlief durch eine Gartentuere und dahinter waren 2 bellende Hunde und ein Besitzer, der mir mit seinen Gesten vermittelte, dass ich einfach reinkommen soll. Na prima. Das ist einfacher gesagt, als getan. Aber die Hunde waren lieb und zerfleischten mich nicht. Der Wanderweg stieg nun erst mal steil und gerade aus links von dem Bach fuehrend weiter an. Und weiter, dann etwas flacher, dann weiter hoch. Dann durch ein weiteres matschiges Gebiet und irgendwann musste ich mir die Frage stellen, ob ich hier denn ueberhaupt richtig bin bzw. ob ich nicht vllt. eine Abzweigung zum Gite verpasst habe. Dann gelangte ich zu einem halb verfallenem Gebaeude und dort fand ich auch ein Schild auf dem stand, dass es zum Gite noch weiter 10 Minuten sind und das Wort 'courage'. Ja, einfach ist dieser Aufstieg nach dem ganzen Hatsch sicher nicht mehr. Aber 's hilft nix.
Im Inneren der Gite

Weiter ging's und im Nu war ich auch schon bei dem Gite. Ich war allerdings relativ spaet dran. Ich denke, dass es nach 18 Uhr war. Der Wirt sagte aber, dass es das Essen erst um 8 Uhr gibt und so war ich heilfroh, dass ich auch noch etwas bekommen wuerde. Das Interessante hier ist, dass es sowohl selbstgezuechtete Schweine gibt, als auch einen Garten, als auch eine eigene Kaeserei. Dementsprechend gut hier war auch das Essen. Erst mal frischen Salat mit irgendeinem Kaese. Danach Schweinefleisch (vermutlich von einem der gluecklichen Schweine vor Ort) mit Bohnen aus dem eigenen Garten und Kartoffeln (vllt. auch aus dem eigenen Garten). Ich konnte nur sehen, dass die Bohnen vorher selbst gepflueckt wurden. Als Nachspeise gab es dann Kaese und davon 3 verschiedene Sorten die alle unterschiedlich und herrlich schmeckten. Die Gite hier ist auch urgemuetlich und wird von einem Aussteiger aus Deutschland betrieben, der zuvor in Holland war und nun hier diese Gite betreibt, da er etwas Kleineres wollte. Solange er dieses prima Essen und die Unterkunft anbietet, finde ich, dass er genau am richtigen Platz ist. Hier basiert auch alles auf Vertrauen. Es gibt Regale, die mit Selbstbedienungszeug gefuellt sind und alles erst im Nachhinein bezahlt wird. Er hat sozusagen einen kleinen Supermarkt hier mit Nudeln und anderem nuetzlichem Zeug.

Es wuerde noch viel mehr zu schreiben geben, z. B. das Blumenmeer beim Aufstieg nach Rouze, aber ich bin total kaputt und es ist schon 00:24 Uhr. Zeit fuer's Bett. Morgen wuerde wieder eine sehr lange Etappe anstehen, wenn ich den GR10 gehen wuerde. Aber wenn ich nur diese eine Etappe gehe, waere das auch OK. Am Zielort wuerde es angeblich ein Thermalbad geben, was ich auch ganz OK finden wuerde. Dann gute Nacht liebes Tagebuch!